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verlagsheft2019

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Kater Kasimirs Abenteuer

Kater Kasimirs Abenteuer

Kasimir setzte eine Pfote vor die andere und schleppte sich so Meter um Meter vorwärts. Zum Glück war die Nacht nicht stockdunkel. Ein wunderschöner Vollmond stand am Himmel. Auch die Sterne strahlten heute besonders hell. Keine Wolke verdeckte ihr Licht. Deshalb war es auch extrem kalt zu dieser mitternächtlichen Stunde. Der Kater begann, trotz seines dicken Fells, zu frieren. Sein Magen knurrte. Wenn er Durst hatte, leckte er am Schnee. Traurigkeit breitete sich in ihm aus. Immer, wenn eine Träne aus Kasimirs Augen quoll, gefror sie sofort zu Eis. Sie leuchtete wie ein kleiner Diamant im Mondschein. Der Kater kämpfte sich durch den tiefen Schnee. Er spürte kaum noch seine Pfoten. Er wurde sehr müde. „Es geht einfach nicht mehr. Ich muss mich kurz ausruhen“, dachte Kasimir und legte sich unter eine verschneite Tanne. „Wie gut das tut, sich einmal so richtig auszustrecken. Er nahm sich vor, nicht lange zu bleiben, nur fünf Minuten. Aber kaum hatte er sich hingelegt, fielen ihm die Augen zu und er schlief ein.
Eule Edmea hatte Kasimir den ganzen Weg begleitet. Nachts wurde sie immer aktiv und umrundete den Wald. Schließlich wollte sie sicher gehen, dass alles in Ordnung war. Aber heute war eben nicht alles in Ordnung.
Edmea war eine stattliche, große Eule mit kraftvollem Flügelschlag und klugen, runden Augen. Sie bewohnte eine alte Höhle in der Nähe des Steinbruchs. Dorthin wollte Edmea den Kater bringen. Sie ließ sich neben ihm unter der verschneiten Tanne nieder, nahm den Schwanz des Katers in den Schnabel und zog ihn unter der Tanne hervor. Anschließend vergrub Edmea ihre Krallen in Kasimirs Fell, das ja zum Glück sehr dick war, und erhob sich nach einem kräftigen Flügelschlag in die Lüfte. Bis zu ihrer Höhle waren es nur ein paar Minuten. Kater Kasimir bekam von alldem nichts mit. Er schnarchte nun so laut, dass andere Tiere sich verdutzt die Ohren zupften. Was war das für ein seltsames Geräusch in ihrem Wald?
Sanft landete Edmea vor der Höhle und legte Kasimir im Schnee ab. Danach zog sie wieder an seinem Schwanz und verfrachtete ihn so in ihr Zuhause. Es war gemütlich in Edmeas Domizil. Sie zog und zerrte den Kater auf ihre alte Decke und hüllte ihn ein. Kasimir schlief immer noch und wäre im Wald längst erfroren.
Eule Edmea flog noch einmal hinaus, suchte nach Futter und sah nach dem Rechten. In dieser kristallklaren, eisigen Nacht war nicht viel los und so kam die Eule, noch bevor es zu dämmern begann, zurück zur Höhle. Kasimir erwachte vom Geräusch, welches Edmea machte, als sie die Höhle betrat. Mit vor Schreck geweiteten Augen sah Kasimir diesen riesigen Vogel, sah die Krallen und den gefährlichen Schnabel. Selbst ein Fauchen blieb ihm im Halse stecken.
„Guten Morgen, Kasimir“, ergriff die Eule das Wort. „Wwwwer bbbist dddu?“, stotterte der Kater „und woher kennst du meinen Namen?“ „Eulen sind kluge Wächter“, antwortete Edmea. „Ich habe dich im Wald gefunden.“ „Tu mir nichts“, bat Kasimir.
Edmea nickte, das bedeutete: „Hab keine Angst. „Ich werde dir helfen, wieder nach Hause zu kommen. Aber erst einmal solltest du dich stärken. Schau, es gibt für dich eine leckere Maus. Lass sie dir schmecken.“ „Eine Maus?“, fragte der Kater entsetzt. „Ist es Murmel oder Monika?“
„Ich sorge im Wald für Ordnung und achte darauf, dass es keine Mäuseplage gibt. Murmel und Monika kenne ich. Denen würde ich nie etwas tun. Und mal ehrlich, Kasimir, du kannst froh sein, dass du die beiden als Freunde hast. Du wärst sonst schon ziemlich einsam.“
„Ich weiß“, erwiderte der Kater. „Aber ich bin es nicht gewöhnt, dass mich jemand mag. Ich traue keinem. Als ich ein Baby war, sollte ich ertränkt werden. Ich konnte mich retten. Eine Ewigkeit musste ich allein durch die Gegend streunen, mich durchschlagen, Futter suchen. Immer war ich kurz vorm Verhungern. Eines Tages kam ein großer Hund auf mich zu. Ich hatte schreckliche Angst.“
Edmeas Augen wurden riesengroß. „Aber offensichtlich hat dir der Hund nichts getan“, bemerkte sie aufgeregt.
„Nein, der Hund nahm mich vorsichtig in sein Maul und trug mich zu Oma Elses Hof. Es war Hubert. Sacht legte er mich auf die Stufen zum Haus und bellte so lange, bis Oma Else kam, mich nahm, mir Milch und Futter gab. Dann legte sie mich zum Schlafen auf die rote Decke, die noch immer mein Lieblingsplatz ist“, beendete Kasimir seine Erzählung.
„Aber wenn es dir auf dem Hof so gut erging, warum bist du denn dann immer noch so garstig zu den Bewohnern?“, fragte die Eule verwundert.
Kasimir dachte angestrengt nach und sagte traurig: „Wenn man immer nur ums Überleben kämpfen muss, wird man hart und böse. Ich wäre gern anders, aber es will mir nicht gelingen.“
„Verstehe“, entgegnete Edmea. Kasimir bekam die Maus und Edmea schloss ihre Augen.
Auch Kasimir brauchte noch etwas Ruhe und schlief wieder ein.

In der nächsten Nacht machten sich Kasimir und Edmea auf den Weg. Wieder krallte sich die Eule im Fell des Katers fest und erhob sich in die Lüfte. Der Schnee glitzerte unter ihnen und Kasimir freute sich darüber. Sie verließen den Wald. Von weitem konnte er bereits den Hof sehen, denn der Mond war hell und freundlich. Sie mussten noch eine Straße überfliegen, dann war es nur noch ein Katzensprung. Kasimir freute sich auf sein Zuhause, die rote Decke, die Mäuse Murmel und Monika.
Plötzlich zeriss ein ohrenbetäubender Lärm die Stille. Entsetzt blickten Kasimir und Edmea nach unten auf die Straße. Ein Auto war mit rasender Geschwindigkeit bei der Glätte unterwegs gewesen. Als eine Katze die Straße überqueren wollte, versuchte der Fahrer zu bremsen, rutschte jedoch weg und erfasste das Tier. Nach einigem Hin- und Herschleudern fuhr das Auto weiter und Kasimir sah, dass die Katze am Straßenrand leblos liegengeblieben war.
„Edmea! Edmea! Wir müssen helfen!“, schrie Kasimir. Im Sturzflug ging es hinab und die Eule setzte den Kater vorsichtig neben der Katze ab. Kasimir nahm den Kopf des Tieres in seine Pfoten und entdeckte zu seiner Freude, dass die Katze noch lebte.
„Edmea, sag, was sollen wir tun?“, drängelte Kasimir. „Hast du eine Idee?“ Die Eule überlegte kurz und meinte dann: „Lass mich die Katze zu Oma Elses Hof fliegen. Du schaffst den Rest des Weges allein. Vielleicht hat ja Oma Else auch ein Herz für unseren Findling hier.“ Bei diesen Worten nahm Edmea die Katze vorsichtig in die Krallen und flog mit ihr zum Hof. Kater Kasimir rannte wie der Blitz und war fast zur gleichen Zeit da wie Eule Edmea. Diese legte die Katze auf die Stufen vor dem Haus und Kasimir begann, herzerweichend zu miauen. Murmel und Monika sowie Hahn Hajo erwachten und kamen sofort angerannt. Wie froh waren sie, ihren nervigen Mitbewohner endlich wiederzuhaben.

   
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