Warenkorb  

0 Produkte - 0.00 EUR
Zum Warenkorb
   

Termine  

   

Katalog  

verlagsheft2017

Interessante Bücher
aus dem dorise-Verlag
zum downloaden,
ausdrucken
und ansehen
Download
   

Mordfall Holger W.

Mordfall-Holger-W.

Stunden später war die Tatortarbeit beendet und die Leiche von einem Bestattungsunternehmen abgeholt. Wieländer saß im Wohnzimmer des Ehepaars Lorenz. Vor ihm stand eine Tasse Kaffee. Es hatte sich sehr schnell gezeigt, dass Reintraud Lorenz von ihrer starken Persönlichkeit nichts eingebüßt hatte. Das wurde bereits bei der Suche nach einem Abschiedsbrief im Haus der Schwester deutlich. Sie kontrollierte die gesamte Wohnung, alle Schränke, deren Schübe und sämtliche Kleidungsstücke. Bei der Suche ging sie ruhig und besonnen vor. Nach ihren Angaben besaß Silke ein dickes Schreibheft, in dem sie nahezu täglich etwas notiert hatte. Eine Art Tagebuch. In dieses Heft ließ sie weder ihre Schwester noch ihre Kinder gucken. Reintraud Lorenz hatte öfter mal versucht, einen Blick hineinzuwerfen. Doch Silke passte auf. Auch auf eine Frage, was für ein Geheimnis sie da hüte, soll sie gesagt haben, darin steht mein Leben und das gehört nur mir. Schließlich hat Frau Lorenz den Willen der Schwester akzeptiert und keinerlei Versuche unternommen, das Dunkel zu lüften. Auch der Kriminaltechniker, der die von der Toten getragene Bekleidung gründlich durchsuchte, fand weder das Tagebuch noch einen Abschiedsbrief. Auch sonst war nichts zu entdecken, was zur Aufhellung hätte beitragen können. Frau Lorenz und die Beamten des Polizeireviers gingen davon aus, dass Silke Wernecke das Heft kurz vor ihrer unseligen Tat vernichtet, vermutlich verbrannt hatte. In dem alten Küchenherd fand sich tatsächlich Asche, die darauf schließen ließ.

Noch vor dem Haus der Verstorbenen hatte Horst Wieländer seine Gastgeberin gefragt, ob sie in der Lage wäre, weitere Auskünfte zu geben. Reintraud Lorenz hatte diese Frage klar und entschlossen bejaht. Nach den erklärenden Worten Dr. Frankes schien ihr ein zentnerschwerer Stein vom Herzen gefallen zu sein. Sie wurde zur Freude Wieländers ganz pragmatisch. Und nicht nur das, sie lud ihn sogar in ihre Wohnung ein. Nun saßen beide in bequemen Sesseln, während ihr Mann es sich auf der Couch gemütlich machte und von dort aus der Unterhaltung folgte. Es bedurfte nur einiger kurzer Anstöße, und Frau Lorenz begann zu erzählen. „Wenn Sie es denn hören wollen“, sagte sie, „es wird aber eine lange Geschichte.“

   
© dorise-Verlag